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Die Veranstaltungen der Ferienuni sind fünf thematischen Strängen zugeordnet:

Zu jedem der inhaltlichen Stränge gibt es einen einleitenden Text, den du nachfolgend lesen kannst.

Einführung in die Kritische Psychologie

Da die Orte für eine Aneignung der Kritischen Psychologie rar geworden sind, möchten wir Interessierten die Gelegenheit geben, sich mit einigen ihrer Grundkonzepte, Theorien und Begriffe vertraut zu machen. Dazu wird es verschieden gelagerte Einführungsveranstaltungen geben, die sich neben der Kritischen Psychologie auch deren gesellschafts- und wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen widmen werden.

Wissenschaftsgeschichte und Erkenntnistheorie

Der deutschsprachigen akademischen Psychologie fehlt größtenteils die Auseinandersetzung mit den eigenen erkenntnistheoretischen Grundlagen. Durch das starre Beharren auf Falsifizierbarkeit als Grundprinzip, dem Experiment als Kardinalmethode und die statistisch-empirische Herangehensweise als Wissenschaftlichkeit per se wird unbequemen Fragen nach der Gegenstandsadäquatheit dieses Wissenschaftsverständnisses ausgewichen. Auf der Ferienuni möchten wir diese Auseinandersetzung neu beleben: Einerseits möchten wir anhand unterschiedlicher Aspekte das historische Gewordensein der Psychologie als Wissenschaft sichtbar machen und Problematiken aktuell vorherrschender Erkenntnistheorien aufzeigen. Andererseits werden wir die Geschichte der Kritischen Psychologie und ihre erkenntnistheoretischen Grundlagen vorstellen, sowie beispielhaft Umsetzungen der daraus resultierenden Ansprüche an wissenschaftliche und praktische Arbeit.

Praxisforschung, Psychotherapie und Beratung

Die Psychologie genießt einen zwiespältigen Ruf: Einerseits werden von ihr besondere, an der individuellen Erfahrung orientierte Einsichten erwartet, andererseits steht sie im Verdacht, gesellschaftliche Probleme zu individualisieren. Dieser Widerspruch bildet den Ausgangspunkt für die kritisch-psychologische Praxisforschung. Sie soll Praktiker*innen Mittel an die Hand geben, um die eigene Berufspraxis in emanzipatorischer Perspektive zu analysieren. Das bedeutet, Herrschaftsverhältnisse und Arbeitsbedingungen zu reflektieren, mit denen Psycholog*innen in ihrer Berufspraxis und Klient*innen in der Alltagsbewältigung konfrontiert sind. Im Rahmen dieses Strangs befassen wir uns mit Fragen der Praxisforschung, Beratung, Psychotherapie und dem kritischen Umgang mit klinischen Diagnosen.

Das Rätsel des Unbewussten

Die Kritische Psychologie gewann ihre Bestimmung des Unbewussten aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Freudschen Psychoanalyse. Trotz der nachdrücklichen Betonung der Relevanz des Unbewussten für das Verständnis der Besonderheiten subjektiver Erfahrungen und Handlungen bleibt jedoch der Eindruck haften, dass die bisherigen Überlegungen lediglich vorläufiger Natur sind. In diesem Veranstaltungsensemble wollen wir daher bisherige Debatten rekonstruieren und eine Auseinandersetzung mit gesellschaftskritisch intendierten psychoanalytischen Theorien befördern, um eine Weiterentwicklung vorliegender Konzeptionen zu organisieren. Die Beschäftigung mit dem Unbewussten ist dabei einerseits motiviert von der Frage nach einer möglichen Verinnerlichung von Herrschaft und anderseits von der Frage nach den Ausdrucksformen psychischen Leidens.

Politische Kämpfe und Emanzipation

Die Kritische Psychologie hat als marxistisch fundierte Subjektwissenschaft einen emanzipatorischen Anspruch. Mit ihren theoretischen Konzepten lassen sich Handlungsbeschränkungen aber auch mögliche Erweiterungen der Handlungsfähigkeit von Subjekten erschließen. Es geht ihr dabei nicht nur darum, zu verstehen, sondern auch zu verändern. In dieser Veranstaltungsreihe werden mit Hilfe subjektwissenschaftlicher Kategorien konkrete Beispiele emanzipatorischer politischer Kooperationen analysiert: Wie ist nicht nur Widerstand gegen gesellschaftliche Bedingungen, sondern auch die Veränderung der Verhältnisse, unter denen „der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ denkbar? In der Diskussion ist dabei besonders der Begriff der Emanzipation zu entfalten.

Aktuelle Forschungs- und Abschlussarbeiten

Um einen Einblick in aktuelle kritisch-psychologische Forschungsfragen zu bekommen, werden in diesem Themenblock studentische Abschlussarbeiten und andere Forschungsarbeiten sowie Buchpublikationen vorgestellt, Fragestellungen und Thesen diskutiert. Kritisch-psychologische Arbeiten werden eher selten publiziert oder auf Kongressen vorgestellt, sodass wenig bekannt ist, welche Themen und methodischen Probleme gerade in der Kritischen Psychologie diskutiert werden. Ein Großteil der in Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten gewonnen Erkenntnisse verschwinden kaum gelesen in den Bibliotheken. Dem wollen wir Abhilfe leisten, um voneinander zu lernen und eine lebendige Weiterentwicklung kritisch-psychologischer Theorien, Methoden und Praktiken anzustoßen.

Ferienuni Kritische Psychologie 2014 using Theme Adventure by Eric Schwarz adapted by Stefan Meretz
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